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Lineare und zyklische Formen der Wissensvermittlung
Schulerziehung in den drei untersuchten Schulen ist in ihrer inhaltlichen und formalen Gestaltung sowie in ihrer zeit-räumlichen Anordnung linear auf das Bestehen der SLC Abschlußprüfung ausgerichtet und weitgehend an einem linearen Denken orientiert, dessen Kennzeichen individueller Wettbewerb, Konkurrenz und Auslese, Erziehung zu Pünktlichkeit, und die Aneignung registerartig aufbereiteten Wissens sind. Eine solche Ausrichtung beansprucht Zeit, Energie, Geld und andere Ressourcen, gibt jedoch nur wenig an die lokale Ökonomie und die dörfliche Gesellschaft zurück. Jugendliche werden vielmehr unter der Prämisse erzogen, später ihr Dorf zu verlassen und eine bezahlte Anstellung außerhalb ihres dörflichen Zusammenhangs zu suchen. Selbst wenn ihnen dies nicht ausdrücklich gesagt wird, so bleibt ihnen kaum eine Wahl, da das abstrakte Schulwissen in der dörflichen Lebenswelt kaum nutzbringend anwendbar ist. Damit ist ein brain-drain Mechanismus in Gang gesetzt, der dazu führt, daß selbst das nützliche Wissen, das Schule vermittelt sowie die vorhandenen Potentiale von Innovations- und Schaffenskraft der Jugendlichen aus den ländlichen Regionen abgezogen werden.
Die einseitige Orientierung auf lineare Vermittlung und Aneignung von Wissen ist vom Diktat der Zeitökonomie und Leistungsoptimierung geprägt, das sich gegenläufig zu den Bedürfnissen und Erfordernissen ländlicher Subsistenzwirtschaft verhält.
Rumpf spricht in einem anderen Bildungszusammenhang vom »Ideal des linearen Fortkommens« und weist auf den kulturellen und zivilisatorischen Kontext hin, in dem es entstanden ist:
»Es gibt in der Überlieferung und Aneignung von Kulturinhalten das Ideal des linearen Fortkommens. Es ist nach dem Bild des Fortkommens geschnitten, die unsere Zivilisation begünstigt und die unsere Lebenspraxis bestimmt. Man bewegt sich fort, indem man Strecken zurücklegt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Vorankommen, das heißt in Bezug auf ein bestimmtes Ziel Wegstrecken zurücklegen. »Nicht vorankommen«, »auf der Stelle treten«, »hängen bleiben« das sind redensartliche Umschreibungen von Mängeln in der zielstrebig-linearen Fortbewegung; sie werden abwertend gebraucht auch im übertragenen Sinne der Kulturübermittlung.« (Rumpf 1991 102 ff)
Demgegenüber beziehen sich die herkömmlichen landwirtschaftlichen Praktiken und Lebensweisen in Nepal auf diverse Zyklen Nahrungszyklen, jahreszeitliche Zyklen, Wert- und Tauschzyklen usw. die sich nicht linear messen und bewerten lassen. Wird ein Bauer krank und kann seine Felder nicht bestellen, so wird ein anderer im Dorf für ihn den Mais säen oder die Hirse pflanzen. Später wird er sich für diese Hilfeleistung revanchieren.
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Eine Schulerziehung, die sich dem Ideal linearer Wissensvermittlung verschrieben hat, läuft quer zu den bestehenden dörflichen Strukturen. Sie beschleunigt jene Zentrifugalkräfte, die zur Marktökonomie und zu den städtischen Zentren hin wirken und leistet wenig, um lokale Strukturen zu stärken und den Menschen vor Ort in ihren existentiellen Nöten zu helfen. [...]Mit diesen Veränderungen, der Institutionalisierung von Bildung und die Erhebung der Lehrertätigkeit zu einer bezahlten Berufstätigkeit, geht ein Bewußtseins- und Wertewandel einher, der über den Rahmen der Schule hinausgeht und zu Veränderungen der bestehenden Dorfstrukturen führt. ...
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