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Verhältnis von lokalem Erfahrungswissen und Schulwissen
Ein Grundkonflikt, der das schulische Lernen in den ländlichen Peripherien Nepals auf allen Ebenen begleitet, ist die Frage nach der inhaltlichen und didaktischen Ausrichtung des Unterrichts sowie dessen Beziehung zur lebensweltlichen Realität der beteiligten Schüler. Das bestehende Schulsystem ignoriert weitgehend das für ein Überleben in der ökologisch fragilen Bergwelt wichtige Erfahrungswissen, das ihnen von klein auf mitgegeben wird und mit dem die Kinder zur Schule kommen. Es ist in religiöse und kosmische Vorstellungen eingebunden und formt den Umgang mit der beseelten und unbeseelten Welt. Es stellt die ideelle Lebensgrundlage für die Menschen dar, die in den vorhandenen Kulturräumen leben und mit bäuerlicher Selbstversorgerwirtschaft ihre Existenz bestreiten.
Das durch kulturelle Überlieferung und lokale Erfahrung erworbene Wissen hat den Menschen lange Zeit ein Überleben in diesem geografischen Raum ermöglicht. Bestimmte exogene und endogene Faktoren haben jedoch dazu geführt, daß ein ausschließlich auf lokales Alltags- und Erfahrungswissen begründetes informelles Lernen nicht mehr ausreicht, die komplexen Anforderungen zu bewältigen, die sich aus den auch in ländlichen Regionen spürbaren Veränderungsprozessen für die dort lebenden Menschen ergeben. Global wirksame Prozesse haben dazu geführt, daß auch lokal begrenzte Wirtschafts-, Distributions- und Tauschbeziehungen anonymisiert, durch Waren- und Geldbeziehungen ersetzt und so schrittweise einer lokalen Kontrolle entzogen werden. Diese Prozesse sind in einem bis dahin nicht bekannten Umfang und Tempo dabei, lokale und historisch gewachsene soziale Strukturen und ihre lebensweltlichen Grundlagen zu erodieren.
Schulerziehung steht somit vor einem fast unlösbaren Dilemma. Einerseits soll sie das ist ihr erzieherischer Auftrag zukunftsorientiert sein und die Schülerinnen und Schüler auf die stattfindenden Veränderungsprozesse vorbereiten. Andererseits vollzieht sich dieser Wandel so rasch, daß sowohl die Institution Schule als auch die beteiligten Akteure Schüler, Lehrer, Eltern, Schulverwalter usw. überfordert sind.
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Der rasche soziale Umbruch verlangt nach einer veränderten schulischen Praxis, die den Jugendlichen echte Orientierungshilfe gibt und nicht bloß die Illusion erweckt, sich auf dem Weg des Erwerbs schulischer Bildung über bestehende Kasten- und Berufsschranken hinwegsetzen zu können.
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